Freitag, 11. Juni 2010

die nummer sicher.


alles wie aus einem guss: azubis 01 backstage, wally sallners (___fabrics interseason) schuhwerk und legeres beinkleid/ haus wittgenstein, wien.

wie sieht das aus, wenn ___fabrics interseason zwei befreundete stylistInnen einladen, um die modenshow des bachelorstudiums zu betreuen (oder im kunstsprech: zu kuratieren)? das war für mich die frage des abends- und siehe da, sybille walter und samuel drira vom encens magazine haben ganze arbeit geleistet, meine erwartungen wurden vollendst erfüllt: statt wie sonst üblich die eigenständig zusammengestellten outfits der studentInnen über den laufsteg zu schicken, ging man auf nummer sicher und wählte aus den kleidungsstücken der sechs semester ein persönliches best of aus. das sah auch uneingeschränkt alles wunderbar aus und stellt einerseits einen gelungenen startschuß für eine eigenständige wahrnahme des bachelorstudiums dar. andererseits ein doch sehr autoritärer zugang, silhouetten über den laufsteg zu schicken, die allesamt aussehen, als seien sie fürs magazineigene editorial gestylt worden. für mich stellt sich da grundsätzlich die frage, um was es in einer solchen ausbildung geht. gehört es für studentInnen nicht auch dazu, eine individuelle handschrift zu entwickeln und diese dann in einem solchen kontext zu präsentieren? das mag dann vielleicht nicht aus einem guss erscheinen und auch mal in die hose gehen, aber dafür hätte es vielleicht zur abwechslung auch mal was neues zu entdecken gegeben. ich persönlich hätte es ja am allerbesten gefunden, den outfits von walter/ drira die eigens von den studentInnen zusammengestellten outfits folgen zu lassen, um zu zeigen: so hätte es eben auch aussehen können. denn: die nummer sicher mag zwar toll ausschauen, aber mutig ist dann doch was anderes.

eine ausführliche bebilderung inklusive text gibt es ausserdem bei maria von stylekingdom, eine weitere auseinandersetzung mit der show findet bei michaela von tschilp statt und h.anna hat tolle fotos gemacht.

Kommentare:

lookinglikeaem hat gesagt…

man muss sich auch fragen warum man dieses "best of" zusammenstellt und, anders als sonst, viele teile vieler studenten gemeinsam kombiniert - es ging vorallem darum einen starken satz auszusagen anstatt vieler einzelner (schöne) wörter. es war auch im sinne der studenten ein klares, starkes bild zu liefern um endlich als modestudium wahrgenommen zu werden. was mir sehr gefallen hat an dem konzept ist auch, dass dieses gemeinsame zwischen den studenten und auch der professur so sehr gut wiedergespiegelt wurde. die kritik hier ist zwar nachvollziehbar aber es ging diesesmal halt um "the greater good" und diese erfahrung hat mir persönlich, gerade als modestudentin, sehr gefallen.

Anonym hat gesagt…

ein magazin durchzublättern hätte genausoviel sinn gemacht wie dieses zusammenstellen. ich finde was du geschrieben hast absolut richtig.

wäre vl doch besser gewesen alle stücke zu zeigen oder den studenten die chance zu geben sachen zusammen zu kombinieren

carmencita hat gesagt…

ich bin grundsätzlich deiner meinung, was die förderung der persönlichen handschrift anbelangt.
nichtsdestotrotz handelt es sich, strukturell betrachtet, um einen bachelor-studiengang. hier finde ich es sinnvoll und vertretbar, grundlagen zu schaffen, und, daraus resultierend, "das große ganze" zu präsentieren.
die individualisierung und spezialisierung findet (im besten fall)später im masterstudium statt.

blica hat gesagt…

@lookinglikeaem: das mit dem "starken bild" kann ich ja -wie beschrieben- sehr gut nachvollziehen und freue mich ja auch, wenn du als (dortige?) modestudentin letztlich d`accord gehst mit der präsentation. ich frage mich halt nur, um wen es letztlich bei einer so aufgezogenen show geht: mir persönlich sind aufgrund dieser art der präsentation keinerlei studierendennamen hängen geblieben, stattdessen wird (auch von mir) in erster linie über die fabrics und die stylistInnen gesprochen. wem kommt diese imagegeschichte in erster linie zugute, frage ich mich also- ohne diese frage befriedigend beantworten zu können.
@carmencita: bezogen auf die ersten bachelorsemester empfinde ich das ganze auch als noch nicht so tragisch. aber zumindest dem letzten jahrgang/ semster würde ich schon einen abschluss gönnen, der auch raum lässt für eine individuellere präsentation.

lookinglikeaem hat gesagt…

als dortige studentin war mir klar, dass es bei dieser show nicht darum geht lorbeeren zu ernten sondern, dass die repräsentation nach außen als ganzheit diesmal im vordergrund steht. natürlich wird nicht über einzelne studenten gesprochen aber es wird über uns als studiengang gesprochen, der eine neue form gewählt hat und etwas ausprobiert hat. natürlich haben fabrics interseason und encens diese form sehr beeinflusst aber ohne den zahlreichen kleinen beiträgen wäre niemals diese show entstanden.
außerdem ist es für uns, als einzelpersonen, auch nicht schlecht selbstiniatitive zu zeigen, wenn es darum geht unsere sachen individuell zu präsentieren. so kümmert sich das abschlusssemester im moment selbstständig für den durchaus verdienten abschluss - der noch passieren wird :)

michaela hat gesagt…

ich finde das starke statement ist sehr gut gelungen. da gibt es eine gesunde konkurrenz zur angewandten, das kommt rüber. wann steigen die eigentich auf bac/master um?

daniel_k hat gesagt…

@carmencita - das argument mit dem master course wäre allerdings umso zutreffender, wenn es in hetzendorf/linz einen master gäbe. in ermangelung dessen ist einstweilen hier der bachelor der master. könnte also schon frustrierend für absolventen sein, hier nicht mit ihrer eigenen handschrift wahrgenommen zu werden.

michaela hat gesagt…

@daniel_k & @carmencita ja, eben deswegen ja auch meine frage, wann die angewandte umsteigt aufs bacc/master system.

bzw. nur mal so eine idee: wieso den master nicht ganz woanders machen?

Anonym hat gesagt…

___fabrics interseason hat sich gut in szene gesetzt!

ich studiere im letzten semster und muss sagen unser eigene handschrift wird gefördert, allerdings ging diese bei der show total unter. ich finde es schade, dass nicht die vielfalt unseres studiums gezeigt wurde, sondern es so aussah, als ob wir alle mode wie fabrics interseason designen. die outfits bestanden zur hälfte aus stücken der studenten, die andere hälfte (kopftücher, zum teil hosen, schuhe, etc.) wurde aus einem fundus hervorgezaubert um das gewünschte styling zu erreichen. und da frage ich mich schon, ist das der sinn einer show, die unser studium repräsentieren soll?

Anonym hat gesagt…

liebe anonym,

ihr habt hervorragende arbeit geleistet!
seid mutig und sagt was ihr wollt!

den pr gag von _FI und kollegen haben viele gesehen. viele wollen es nicht sehen.

viel glück für den herbst!

michaela hat gesagt…

@Anonym danke für diese Information, das mit dem Fundus ist natürlich spannend.

Was ich aber nicht ganz verstehe ist, warum man das nicht vorher diskutiert und sich dagegen wehrt? war das nicht möglich?

Ich meine, so eine autoritäre Vorgangsweise wäre natürlich schon mehr als seltsam...

Anonym hat gesagt…

das problem war, dass es einige gut fanden/finden. und da wir beschlossen haben unsere eigene modeschau im herbst zu machen haben wir uns in den ablauf nicht eingemischt..außerdem hieß es anfangs es werden teile der studenten ausgewählt und daraus outfits gestylt, allerdings denke ich wurde zuerst ein styling à la fabrics ausgedacht und passend danach das gewand ausgesucht und dazu kombiniert, sowie auch kolleginnen noch hosen nach vorstellung von fabrics, samuel drira etc. nähen mussten.

daniel_k hat gesagt…

sorry, aber wenn das mit dem "nach den vorstellungen nähen mussten" stimmt, dann finde ich das nachgerade skandalös.

das gehört dann allerdings aus der kommentarleiste eines blogs an prominentere stelle katapultiert!

lookinglikeaem hat gesagt…

davon höre ich zum ersten mal... dass nach den vorstellungen von samuel drira gestylt wird, wurde uns von anfang an klar gemacht. ein satz von ihm war auch, dass er oft ein kleidungsstück toll finde aber es passe halt mal nicht und er müsse einfach professionel bleiben. so seien eben auch manche wörter schön aber diesmal ginge es um einen klaren starken satz! es wurden auch sehr sehr viele kleidungsstücke ausgewählt und dann leider doch noch mal stark reduziert weil keine zeit war 60 od. 70 modelle zu stylen... kann mir das mit dem nähen auch kaum vorstellen - dria und seine kollegen waren schließlich nur 3 tage da und so schnell lässt sich keine hose nähen!

lookinglikeaem hat gesagt…

professionlL heißts natürlich

Anonym hat gesagt…

da ich selber nicht kleider mache, sondern schuhe, kann ich nur schreiben, was ich gehört habe. johannes schweiger ist am ersten tag des workshops zu einer werkstattlehrerin gegangen hat eine beispielhose hergezeigt, nach welcher der schnittgemacht und dann genäht wurde. war leider so.

Anonym hat gesagt…

ich glaube anonym aufs wort!

@lookinglikeaem in drei tagen lassen sich genug hosen nähen.

wenn die studenten 60 - 70 outfits gemacht haben dann soll auch genug zeit da sein für die eingeflogenen freunde zu arbeiten.
als wäre styling so ein harter job.

carmencita hat gesagt…

@Daniel: bachelor ist in linz = master?? was nimmt linz denn da für ne sonderregelung für sich in anspruch? ;-)
nur weil kein master angeboten wird, bedeutet das noch lang nicht die gleichstellung der abschlüsse. falls man das studium fortsetzen möchte, macht MAN`S WOANDERS. genauso kann man danach auch nen artverwandten master-studiengang belegen.
(ich befürworte ich die verschulung des uni-systems nicht!)
und: wer ist schon nach drei jahren der/die grosse entwerferIn??
@michaela: die angewandte setzt sich erfolgreich zur wehr! mir ist nicht bekannt, dass dort in absehbarer zeit umgestellt wird..

Anonym hat gesagt…

ich gratuliere den studierenden in hetzendorf zu ihrer arbeit

grundsätzlich finde ich es unmöglich , wenn professor.innen nicht den mut aufbringen eigenständige positionen ihrer student.innen zuzulassen - ist ja schließlich das ergebnis dessen , was sie gelehrt haben

und zum thema hosen.näh.tempo, in der produktion dauert die fertigung einer hose in etwas 15 minuten ... bei gut geübten selber.schneidern ungefähr 3-4 stunden

jussi hiipakka hat gesagt…

zunächst: ich hatte das set-up der präsentation eigentlich so verstanden, dass zwei in der kunstwelt verankerte kuratorinnen die ausstellung im haus kuratierten, und zwei stylistInnen aus frankreich, die professionell mit mode arbeiten, die outfits der show sylten.
ich verstehe sehr gut, dass man über dieses konzept, eine klasse bzw eine gesammelte aufbruchstimmung aus einem recht schattigen schulimage in einer präsentation vorzustellen ohne das eingebürgerte vorbeidefinlieren einzelner studentenarbeiten geteilter meinung sein kann. klar! was ich nicht verstehe - und deswegen gebe ich hier auch meinen senf dazu, auch wenn meine persönliche meinung eigentlich zur bereits stattgefundenen diskussion nichts wesentlich neues beitragen würde - ist die art, wie die diskussion in machen fällen angegangen wird. das finde ich als besucher, der nicht aus wien stammt, fast ein wenig erschreckend, wie 'conservative in the making' das hier daherkommt. untergriffig und missgünstig finde ich die einleitenden privatdetektivischen bilder und die gerüchteküche mit den schnell genähten hosen der bösen neuen professoren, die angeblich an alles andere, nur nicht an ihre studenten denken; kleinkariert und kurzsichtig das weitgehend argumentlose einfordern 'des gewesenen'. ist die abschluss-show wirklich das einzige forum, in dem man individuelles probieren und können zeigen kann? sind die risiken, die man, wie blica einfordert, eingehen sollte, nicht eingegangen worden, indem man nicht 'wie üblich' vorgegangen ist, die arbeiten einem kritischen, professionellen, aber wohlwollenden blick von aussen unterzogen hat und die kuschelige, eingefahrene, mittelmässige hetzendorf-realität in diesen etwas kälteren, aber auch neueren wind hinausgeholt hat?

blica hat gesagt…

@jussi hiipakka: "untergriffig und missgünstig" ist das letzte, was ich mit meinem diskussionsbeitrag sein möchte. ich habe direkt nach der show meine gedanken aufgeschrieben - dass die präsentation die gemüter spalten würde, war eh klar. ich spreche mich auch ganz sicher nicht für ein biederes vorführen der studentInnenarbeiten im althergebrachten sinne aus, bin aber nicht der meinung, dass, nur weil hier von kuratieren die rede ist, das eine modernere herangehensweise ist.

Anonym hat gesagt…

gut so blica!
die leut hier sind nun mal keine kritik gewohnt und wollen nur brave "gewesene" berichterstattung.
kein mut für neues, kritik oder diskussion!
das sieht man auch an dieser abschlußpräsentation.

bitte mehr solcher kritischer beobachtungen aus der szene.

Judita hat gesagt…

da ich selbst Modedesign studiert habe, kann ich die Misere der Studenten durchaus nachvollziehen.
Man hat Glück, wenn man vor dem Studium schon so viel mit der Branche zu tun hat/bzw. sich mit den Verfahrensweisen der einzelnen Hochschule schon so weit auseinander gesetzt hat, dass man auf eine Hochschule kommt, wo man seine Abschlusskollektion verwirklichen kann.
Oft werden nämlich sämtliche konzeptionellen kreativen Ansätze in die Richtung gedrängt, in die sich die Hochschule orientieren möchte (ich spreche da mal von den Fällen, die ich persönlich erlebt habe und aus persönlichen Erzählungen kenne - natürlich mag es da Ausnahmen geben).
Kurz vor dem Abschluss konnte man interessanterweise beobachten, dass eine Studentin, die sonst mit einer 1,0 aus "dem Rennen" ging, bei der letzten Kollektion, die wirklich einen viel konzeptionelleren, kreativeren, fast politischen und damit auch viel interessanteren Ansatz hatte, DEUTLICH herunter gestuft worden ist. Und das nicht aufgrund ihrer fehlenden Kreativität oder schlechter(er) Technik.
Bei der Präsentation der Abschlussmappen konnte ich sogar weitergehend beobachten, dass künstlerisch hochwertige Mappen, in die viel Arbeit gesteckt wurde, und die ihre eigene Handschrift aufwiesen, alle konstant mindestens 2,0 bekommen haben, weil sie nicht dem an unserer Hochschule so gefragten "Rüschen-Image" (so lautet meine persönliche Bezeichnung dafür) entsprachen.

Genauso konnte man weder über die Anzahl der gezeigten Outfits, die Musikauswahl, die Reihenfolge, die Models, die Gäste oder sonst irgendwas in der Richtung entscheiden - dies übernahm ein überaus zickiger, konstant nicht erreichbarer "Stylist".

Als ich mich über verschiedene Hochschulen erkundigt habe, wurden mir ebenfalls die vielen Auslandsaufenthalte angepriesen und belegt - leider war unsere Schulleitung derartig nicht an Organisation im Sinne der Studenten/Professoren und überhaupt interessiert, so dass am finalen, fantastischen Ende nach einer monatelangen Auftürmung der Thematiken ein kleiner oder größerer Putsch im Sekretariat stattfand, bei dem sich Professoren und Schulleitung sagen wir mal lautstark "austauschten".

Ich kann also aus meiner Erfahrung nur jedem Modestudenten raten, früh auf seinen eigenen Stil zu beharren (wer kreativ ist, muss das nicht erst im Masterstudium lernen - maximal die Techniken, wie man die Kreativität aufs Papier bringt - eine eigene Handschrift sollte man schon vorher entwickeln) und SEINEN WEG zu gehen.

Selbes gilt natürlich auch für Blogger.

By the way: Liebe Blica, ich mag Deine des öfteren kritischen zu virtuellem Papier gebrachten Beiträge sehr gerne...der Ton gefällt mir, er ist mutig.

carmencita hat gesagt…

@judith: aufgepasst - du sprichst von den voraussetzungen die ein/e studentIN für das studium mitbringen sollte, ich spreche von den strukturellen auswirkungen des bac/ma auf den studienplan.

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