Sonntag, 25. Juli 2010

auf den hund gekommen.

die einen blogs werden immer professioneller und die anderen gehen vor die hunde - das streetfashionblog kleiderköln hat vor mehr als einem monat der blogwelt adieu gesagt. ein grund hierfür sei, so bloggerin nina, dass sich die Blogosphäre zu einer Maschinerie entwickelt hat, der ich nicht mehr standhalten kann. Die letzten beiden Jahre habe ich bewusst ohne Techniker, Designer und Sponsoren verbracht, aber die Mehrzahl der Menschen möchte bearbeitete, große Hochglanzbilder sehen und zwar in Masse. Das kann ich nicht bieten, die Konkurrenz schläft nicht (...). mich als alte anhängerin vielfältiger modeblogformate macht das betroffen, zumal auch ich mich als unabhängige bloggerin verstehe, die ihr blog mit viel zeitaufwand für null und nichtig betreibt. während die einen bereits die ersten kooperationen eingehen, beschreitet eine kleine gruppierung immer professionellere wege und wird eben auch für das, was sie tut, bezahlt. das ist auch gar nicht verwerflich- wenn sich da nicht plötzlich dieser druck einstellen würde, mit denen mithalten können zu wollen oder zu müssen, die das eben nicht nur nebenbei machen. und ganz nebenbei: die schere, die sich da auftut, folgt (meiner meinung nach) leider nicht zuverlässig dem qualitätsprinzip. was sagt ihr dazu?

Kommentare:

kathmo hat gesagt…

ich denke, dass es jeder aus einem anderen grund tut.

manche machen es um selbstbestätigung zu bekommen, andere schreiben für sich und lassen anderen menschen den zugriff auf ihre texte.

wenn man es für sich tut, dann kann man so eine sache auch nicht so leicht aufgeben.
es mag ja auch das schliessen dieser blogtür, für sie einen neuen weg des selbstausdrucks, d.h. eine ander tür, öffnen.

ich würde mich da weniger von der konkurrenz unterkriegen lassen, da ich diese nicht als konkurrenz sehe. man will ja nicht die finanzielle auflage steigern, oder sehe ich das falsch?

Nina hat gesagt…

@blica: Liebe Anne, ich freue mich sehr über die Erwähnung von Kleiderköln auf Deinem schönen blog!

@kathmo: das sehe ich genauso- es kommt auf die eigenen Intention an. Seit über drei Jahren betreibe ich das blog http://blogabsatz.de und das mache ich "für mich", von daher sind mir Leserzahlen und Kommentare dort herzlich egal. Bei Kleiderköln war das anders, das habe ich nicht "für mich" gemacht, sondern für die Stadt, für die Menschen. Kleiderköln hat nie einen Stellenwert wie Stil in Berlin oder Styleclicker gehabt (vermutlich weil eben die Sponsoren fehlten) und genau da ist für mich dieser Druck entstanden von dem blica spricht. Als dann noch ein zweites Streetstyleblog in Köln entstanden ist, welches von den ansässigen Medien ziemlich viel Echo bekommen hat, habe ich endgültig (bzw. erstmal...) das Handtuch geschmissen. Schlecht gelaunt mit einer leeren Kamera nach Hause kommen, das wollte ich nicht mehr.

Mary hat gesagt…

sponsoren haben wir leider auch noch nicht.. (werbung dagegen schon). ich habe mich bei stilinberlin schon vor jahren davon befreit irgendwo mithalten zu wollen oder mich über andere, in meinen augen nicht so super blogs zu ärgern, die zahlenmäßig an mir vorbei zogen. auch habe ich es immer abgelehnt, irgendeinem druck nachzugeben, der mir sagt ich müsste ständig posten - wenn es bei uns nix zu fotografieren gibt, wir im urlaub hängen, anderes zu tun haben, es zu heiß oder zu kalt ist - dann fotografieren wir eben nix. das führte in letzter zeit wieder zu einem leichten rückgang der zahlen - aber who cares. es ist mein blog, ich muss keine ziele erfüllen, ich will nur, dass er super(st) ist, was den inhalt angeht.
nur weil irgendjemand mehr medienaufmerksamkeit, mehr reise-einladungen, mehr erste-reihe-plätze, mehr mehr mehr bekommt, finde ich meinen blog nicht gleich schlechter.

wenn du, nina, mit anderem blog auf "anders anziehen" anspielst, dann würde ich entgegnen, dass dieser eine völlig andere ausrichtung hat, ein anderes konzept und einen anderen anspruch an die qualität der fotos, auswahl und texte als du es hattest. und sich außerdem von vielen anderen blogs durch einen, ich sag mal, demokratischeren, fast soziologischem ansatz unterscheidet.

Nina hat gesagt…

Hallo Mary, verzeih, dass ich Euch zu den gesponserten blogs gezählt habe, da war ich schlecht informiert. An dieser Stelle möchte ich noch einmal sagen, dass der Hauptgrund für das Ende von Kleiderköln das Schreiben meiner Magisterarbeit und die daraus resultierende fehlende Zeit ist. Dass ich mich persönlich von diesem Druck nicht freimachen kann, ist mein eigenes Problem, das ich mit dem Einfrieren von Kleiderköln für mich gelöst habe. Zu keiner Zeit habe ich das blog allerdings als schlecht empfunden, auch nicht, seit anders anziehen trotz ihres soziologischen Charakters als DAS streetstyleblog Kölns gilt. Dennoch frage ich mich, was Du mit dem "Anspruch auf die Qualität der Fotos" meinst, sind für Dich qualitative Fotos welche, die bearbeitet sind und durch Ausschnitte verändert wurden? Diese Frage soll nicht provozierend sein, es interessiert mich wirklich und ich freue mich auch darüber, dass Du Dich an dieser Stelle eingebracht hast.

kathmo hat gesagt…

naja.. ich finde, dass die persönlichkeiten der einzigartigen charaktere, die hinter der tastatur stecken,in diesen gehypten blogs verloren gehen.

natürlich habe ich einige der kommerzblogs in meiner leseliste dabei, doch erfreuen tun mich andere einträge.

ich habe manchmal das gefühl, dass es eine gewisse blogpflichtliste gibt.

Mary hat gesagt…

@Nina, deine fotos entstehen, so nehme ich an, sehr schnell und an dem jeweiligen ort des hallo-sagens. bei anders anziehen sieht man, dass diese fotos mehr zeit und mehr gedanken, im effekt also: mehr inszenierung genossen haben. offensichtlich sind der autorin gute und große fotos wichtig, dein fokus liegt (oder, lag) wohl auf etwas anderem.

Nina hat gesagt…

@Mary: mein Fokus liegt auf dem authentischen unaufgeregten Blick, einer alltäglichen Momentaufnahme. Mit einem Klick werden die Bilder groß- klassisches Blogschema.

blica hat gesagt…

@nina: schön, dass du dich selbst zu wort meldest!

ich sehe die zunehmende professionalisierung von blogs (nicht nur streetfashionblogs übrigens!) auch gar nicht ausschliesslich als negativ - konkurrenz belebt ja bekanntermassen die szenerie. mich zumindest hat diese tatsache immer auch ein stückchen motiviert. die tendenz zu professionalisierung hat allerdings auch zur konsequenz, dass die leserInnenschaft (zu der ja selbstverständlich auch die bloggerInnen selbst zählen) zunehmend anspruchsvoller wird und beispielsweise die leistungsfähigkeit eines professionellen blogs/ onlineproduktes wie beispielsweise "lesmads" mit der unabhängiger blogs gemessen wird. mein ausweg ist da nach wie vor die suche nach alleinstellungsmerkmalen: was kann und will ich in der mir zur verfügung stehenden zeit leisten? im falle der kölner streetfashionblogs hat smilla das ja mit ihrer konsequenten schwerpunktsetzung auf "die geschichte drumherum" recht erfolgreich vorgemacht. einen vergleich zwischen "kleiderköln" und "andersanziehen" empfinde ich also als ziemlich obsolet, da eure herangehensweisen ja doch recht unterschiedlich sind/ waren. schade also, dass du, nina, zur zeit keine perspektive für dein blog siehst. aber vielleicht bergen solche offline-phasen ja auch neue möglichkeiten und/ oder ideen - wer weiss...

Nina hat gesagt…

Liebe blica, dass ich momentan keine Perspektive für Kleiderköln sehe, liegt nicht an "anders anziehen" oder an Bloggern, die für ihre Arbeit bezahlt werden, sondern einzig daran, dass mir die Zeit für das Fotografieren fehlt. Ich denke, das habe ich auf meinem blog auch so formuliert. Die Begleiterscheinungen (was machen andere blogs? Wie oft veröffentlichen sie? Auf welche Weise?) kommen deshalb für mich auch zu Tage, da ein blog einfach ein interaktives Medium ist und es mir (und den Lesenden) sicher keinen Spaß macht, das blog monatelang unkommentiert ohne neues posts stehen zu lassen. Offline bin ich Dank "blogabsatz" nicht, aber es tut in der Tat ganz gut, sich einmal aus dieser "Fashion" Kategorie raus zu ziehen. Die Diskussionen kreisen so oft um Finanzierung, Elite und Konkurrenzkampf- das habe ich im realen Berufsleben schon zu genüge. Wer nun meint, dass ich gewisse Strukturen als Konkurrenzkampf wahrnehme, sei mein eigenes Problem, der hat sicher nicht unrecht- ist doch ein blog bestenfalls immer eine Herzenssache und da kommt es eben mal zu Beziehungsproblemen.

anie hat gesagt…

Dein Artikel kommt mir gerade Richtig. Seit längerer Zeit gehe ich meinem Wunsch nach einen eigenen Blog zu eröffnen, natürlich liegen mir die grossen Blogs dabei sehr im Nacken, weshalb ich mich öfters Frage ob es sich überhaupt lohnt zu bloggen.
Die Kommentare haben mir allerdings neuen Mut verschafft, und somit habe ich mich gleich an meinen ersten Post gesetzt. Und obwohl ich natürlich auf einige Leser hoffe, ist es mir im Grunde egal....denn die Mühe mache ich in erster Linie für mich!

Also an alle Blogger da draussen, bloggt weil es euch Spass macht und nicht weil es um Erfolg geht!

smilla hat gesagt…

Viel zeit habe ich auch nicht für die Fotos, in der Regel muss es sogar richtig schnell gehen. Ich hab aber mal eine Frau im chicen Kleid vor einer schäbigen Baustellenplane fotografiert, und als sie wegging habe ich mich umgedreht und gesehen dass ein viel schönerer Hintergrund direkt hinter uns gewesen wäre. Seitdem guck ich einfach genauer was der Ort mir bietet an dem ich bin. In belebten Strassen ist es den Menschen oft auch unangenehm beim fotografieren von allen gesehen zu werden, da geh ich dann eben ein paar Schritte mit ihnen, (falls die Zeit das zulässt.) Mir gehen Autos auf meinen Fotos zunehmend auf die Nerven und ich versuche sie rauszuhalten, genauso Strassenschildwälder und Werbung. Ich habe einen gewissen gestalterischen Anspruch an meine Bilder, und aber überhaupt an vieles was ich tue. Außerdem denke ich, das mindeste was ein Mensch erwarten darf, der sich von mir im Internet veröffentlichen lässt, ist ein schönes Foto. Das ist deswegen nicht weniger authentisch. Es kommt auch vor, dass ich ein gestörtes Verhältnis zu den Menschen habe die ich anspreche, oder sie dermaßen künstlich werden beim fotografieren, dass ich die Bilder nicht verwende.
Geld verdien ich nicht mit meinem Blog, Sponsoren hab ich auch keine, hätte prinzipiell aber weder gegen das eine noch gegen das andere was einzuwenden, je nach Sachlage. Bei ganz grundsätzlichen Layoutprogrammierungswünschen für den Blog hab ich mir gegen Geld helfen lassen; die Haare schneid ich mir ja auch nicht selbst.
Mich persönlich interessiert die aktuelle Mode nur begrenzt, das dürfte kein Geheimnis sein. So gesehen ist anders-anziehen kein Streetblog im eigentlichen Sinne, und mit der Bezeichnung Mode-blog tu ich mich auch etwas schwer.
Grundsätzlich ist es so, dass ich einfach mache was ich für stimmig halte, und da geh ich immer von meiner ganz eigenen, persönlichen Perspektive aus.
Wenn es sehr heiss ist habe ich deutlich weniger Lust zu fotogafieren, da kann ich nix machen.
Wollt ich einfach mal sagen.
Übrigens hab ich kürzlich eine email von einem jungen Mann bekommen, der meine amateurhaften Fotos bemängelt.


@anie; viel Spaß beim bloggen wünsch ich dir.

frl. krautwurst hat gesagt…

ich verstehe nicht, warum man sich an anderen messen muss. ich hab selber eher weniger leser, empfinde mich aber nicht als unerfolgreich. ich mache halt was ich will. und vorallem auch in dem tempo in dem ich es will. das heißt halt auch, dass es manchmal zwei wochen brauchen kann, bis ein neuer eintrag kommt. und manchmal zwei tage.

Frauenzimmer hat gesagt…

spannendes thema, schade dass ich erst so spät dazu stosse.
prinzipiell geht es wohl einfach um die absichten und das ziel des jeweiligen bloggers. ich habe einige jahre in de und der schweiz als mode/beauty-redaktorin gearbeitet und habe nach einem radikalen bruch mit der branche entscheiden, ein eigenes blog zu starten. mein alltag war durchzogen von werbekunden und sponsoren, was definitiv die ganze freude am schreiben raubt. was viele blogger als erstrebenswert erachten, ist meiner erfahrung nach nur eine zusätzliche last. ich finde es traurig, wenn 90% der blogs, welche ich besuche, über die selben produkte berichten. die unabhängigkeit und authenzität macht für mich persönlich den grossen unterschied zum redaktionellem schreiben aus.

meine bewunderung gilt denen, die so wundervoll gestaltete und liebevoll ausgewählte posts anbieten, so dass ich mich auch heute noch in meiner entscheidung und meinem weg bestätigt fühle.

persönlich mag ich die entwicklung nicht so gern, dass blogger praktisch gleich wie journalisten behandelt werden, da wie eben erwähnt, für mich nicht die professionelle schreibe, sondern die persönliche note den unterschied macht.

ich verstehe allerdings, dass man irgendwann müde wird, zeit und geduld in etwas zu investieren, dass wirtschaftlich gesehen keinen wert hat. trotzdem halte ich daran fest, keine statistiken über meinen blog zu lesen und weiterhin wohl nur einen kleinen haufen an interessierten lesern zu bedienen.

ich bin sehr gespannt wie sich das alles entwickeln wird. und blica - ich mag dein werk sehr, sehr gern.

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