Freitag, 20. November 2009

covermodel für 35 mark.


anja kossiwakis als model für die ddr-zeitschrift modische maschen in den 1980ern (details von fotos von günter rössler)

in den letzten wochen hat die frauenzeitschrift brigitte mit ihrem vorhaben, von jetzt ab nur noch mit laienmodels zu arbeiten, für einen regelrechten aufschrei gesorgt: das lässt sich doch gar nicht realisieren, war der fast einhellige mediale tenor, die brigitte-leserInnenschaft hingegen scheint sich eher zu freuen auf die amateurmodels. was hier und heute als ein wahnsinniges experiment erscheint, stand in der ddr auf der tagesordnung- da war es gang und gäbe, mit laienmodels zu arbeiten. mich hat das neugierig gemacht, wie das damals war, deshalb: gleich mal ein kleines interview mit anja kossiwakis, die einige jahre lang recht erfolgreich für das strickmagazin modische maschen modelte. doch genug der worte: auf los gehts los!

wie sind sie damals in der ddr zum modeln gekommen?/ was haben sie sich davon erwartet?

Als ich 16 Jahre alt war, wurden Fotomodelle für den "Verlag für die Frau" gesucht. Da hab ich mich kurzerhand beworben und bin dann auch sofort zu Probeaufnahmen eingeladen worden.

in welchem zeitraum haben sie für welche magazine mit welchen fotografen gemodelt?
Ich habe von 1987 – 1989 ausschließlich für die "Modischen Maschen" gearbeitet. Fotograf war Günter Rössler. In Dessau habe ich bei verschiedenen Modenschauen mitgemacht.

welche kriterien mussten sie damals erfüllen, um als model arbeiten zu können?/ wie würden sie die unterschiede zum westlichen model-dasein beschreiben?
Das weiß ich gar nicht mehr. Das Auswahlkriteritum war einfach, dass man fotogen war und das wurde durch eine Moderedakteurin und hauptsächlich Günter Rössler entschieden. Als mich Günter Rössler das erste Mal sah, sagte er: “Da brauch ich eigentlich gar keine Fotos zu machen. Das passt schon." Die Unterschiede zum westlichen Model waren zum einen, dass nebenbei gemodelt wurde und vor allem in der Bezahlung. Für das erste veröffentlichte Foto bekam man 20,-- Mark und für jedes weitere Foto 15,-- Mark. Ein Titelfoto wurde mit 35,-- Mark honoriert. Natürlich fanden die Shootings immer in der Nähe von Leipzig statt und nach ca. 3 Stunden war das Shooting vorbei. Meist setzte ich mich am Mittwoch in den Zug und fuhr nach der Arbeit (am Mittwoch arbeiteten wir in der Sparkasse nur bis 12.25 Uhr)nach Leipzig.

was sind Ihre erinnerungen an die „shootings“ für die „modischen maschen“?
Das erste Fotoshooting fand in Höfgen statt. Das war ein ganz kleines Örtchen und die Fotos wurden vor einem kleinem Häuschen in einem romantischem Garten gemacht. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Fotos geschossen. Die Fotos gefielen der Redaktion so gut, dass beschlossen wurde, dass ich auch noch das Titelfoto kommen soll. Das Arbeiten mit Günter Rössler hat immer sehr viel Spaß gemacht, weil er genau sagte, was er haben will und dies sehr schnell umgesetzt wurde.

welche bedeutung hatten models in der ddr? war der job auch mit einem gewissen „glamour“ verbunden- also einem gewissen bekanntheitsgrad bzw. damit verbundenen vorteilen? und: nahm man die westliche modewelt inklusive der dort gut bezahlten odels wahr?
Mir hat das Modeln einfach Spaß gemacht, aber Glamour war damit nicht verbunden (siehe Gagen). Als die erste Modische Maschen erschien, wurde ich schon häufig angesprochen und in der Lokalzeitung erschien ein Bericht über mich. Natürlich hätte ich es auch schön gefunden, wenn das Modeln in der DDR so anerkannt und gut bezahlt worden wäre wie im Westen, aber das war leider nicht der Fall.

welches frauenbild verkörperten sie bzw. ganz allgemein die ostdeutschen modelle? gab es da unterschiede zum westen?
Ich denke, dass die ostdeutschen Modelle einfach hübsche Mädchen waren, die alle eine gute Ausbildung hatten und nebenbei mal für eine Modezeitung fotografiert wurden. Der Unterschied im Westen bestand hauptsächlich darin, dass die Models hier ausschließlich als Models arbeiteten.

hatten sie model-vorbilder?
Nein.

waren sie damals selbst modeinteressiert? was würden sie als die entscheidenden unterschiede hinsichtlich der mode in der damaligen ddr und der brd bezeichnen?
Ich war sehr modeinteressiert und hatte das Glück, dass meine Tante mir immer tolle Klamotten aus dem Westen geschickt hat. In der DDR gab es nicht so eine Vielfalt an modischen Sachen.

wie verlief Ihr leben nach mauerfall und „wende“ bzw. haben sie auch weiterhin gemodelt?
Ich bin am 10.11.1989 in den Zug gestiegen und am 11.11.1989 in Wiesbaden gelandet. Ich habe hier sofort bei der Sparkasse angefangen zu arbeiten und wollte gern nebenbei modeln so wie im Osten. Leider hat das hier nicht funktioniert. Beim Besuch einer Frankfurter Modelagentur riet mir die Chefin ohne sich meine Fotos überhaupt anzusehen: „Mädel, bleib auf der Sparkasse. Das ist ein sicherer Job.“ Ich fand das sehr schade!

pflegen sie noch kontakte zu ehemaligen kollegInnen aus Ihren „modelzeiten“?
Nein.

was halten sie als ehemaliges „amateurmodel“ von der aktuellen debatte um den einsatz „normaler“ frauen für modestrecken in der frauenzeitschrift „brigitte“? würden sie für eine solche zeitschrift wieder vor die kamera treten?
Ich finde das gut. Das hat ja in der DDR auch funktioniert. Falls mich "Brigitte" fragt, würde ich nicht nein sagen!

Kommentare:

enny hat gesagt…

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Christoph hat gesagt…

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