Montag, 16. August 2010

verschleisserscheinungen.

wo wollen wir modebloggerInnen hin? eindeutige antworten auf diese frage, die viele bereits langweilt, gibt es sicher nicht. dennoch, wächst da nun wirklich eine neue generation an moderedakteurInnen oder gar -journalistInnen heran, wie es alfons kaiser zuletzt im magazin achtung hoffte? und wenn ja, ist eben diese generation wirklich so eklatant anders als die, die da in den magazinen sitzen und in spitzenpositionen neben den normalen gehältern lukrative honorare für nebentätigkeiten einstreifen? herr kaiser, wie gesagt, äusserte sich hoffnungsvoll: Denn es ist an der Zeit, Abschied zu nehmen von einem lange ungefragt akzeptierten Missstand, der am Ende das ganze Berufsbild des Modejournalisten in Frage gestellt hat. Darin verbirgt sich gleichzeitig die Chance, eine neue Generation von Moderedakteuren an die Arbeit gehen zu lassen, die wieder einen von der Freiheit der Blogs infizierten und unvorhersehbaren Meinungsjournalismus etablieren, der wieder Leser zu begeistern vermag und nicht durch Langeweile einlullt. eines ist ganz klar: modeblogs haben dazu beigetragen, die statische langeweile im modebusiness aufzumischen. die frage ist nun, ob die den bloggerInnen zugewiesene rolle über die des pausenclowns hinausgeht. immerhin: auch im deutschsprachigen modeblogkosmos tummelt sich mittlerweile eine sagenhafte modeblogmeute. jede grosstadt verfügt über ein eigenes streetfashionblog, es gibt unzählige modetagebücher -mal mehr, mal weniger gut gemacht- die von streifzügen durch onlineshops berichten und immer öfter auch gewinnspiele veranstalten. denen, die es schaffen, eigene blogidentitäten aufzubauen, folgt bereits eine ganze leserInnenschar, die nicht selten selbst bloggt. und dann wäre da noch das im deutschsprachigen raum singuläre onlineformat lesmads, das sich mit burdas unterstützung jetzt auch zum netzwerk erweitert hat.
doch was lernen wir aus dem status quo? ein widerstand oder gar eine wir machen es aber anders als ihr alten hasen- attitüde geht von modeblogs zumeist nicht aus. das blog, mal beste freundin, mal mittel zum zweck - nicht mehr als ein handzahmes bewerbungsportfolio, mittels dessen vermeintlich guter oder schlechter geschmack transportiert und eben auch die eintrittskarte in die modewelt gelöst werden will. tatsächliche meinungsäußerung ist so gut wie tabu, verstösst es doch gegen eine grundsäule des blogsystems: die modeblogszenerie ein schrebergarten, die gefahr, sich unbeliebt zu machen, jederzeit gegeben. der von alfons kaiser vielleicht herbeigewünschte unvorhersehbare meinungsjournalismus - im blogformat fristet in wahrheit doch einen nischendasein. ich zumindest wundere mich nach über zwei jahren mehr oder weniger kontinuierlichen bloggens nicht mehr, dass das befolgen gewisser blogetiketten eine art von stillstand nach sich zieht - verschleisserscheinungen inklusive. oder wie seht ihr das?

Kommentare:

Mary hat gesagt…

was ich sehe und was mich noch vielmehr ärgert ist allerdings die kultivierung von gräben, zwischen den jungen und alten, den großen und kleinen, den reichen und weniger reichen, zwischen milchkaffee und coca cola, topshop und c&a usw usf.. diese gräben werden gern auch öffentlich abgelaufen und führen zur allgemeinen erheiterung bei den zuschauern

ansonsten halte ich es wie so oft im leben und konzentriere mich auf die positiven beispiele

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich, was aus den hauptberuflich aggierenden Modeblogger/innen wird, wenn sich die Prioritäten verschieben, wenn sie in die Fänge des Familienwunsches geraten, sie müde werden vom Tagesoutfitposten und permanent öffentlich sein?

Lisa hat gesagt…

mich ärgert, dass einem per se unterstellt wird, "man wolle irgendwo hin". vielleicht will ich ja nirgendwo hin? vielleicht ist es mir komplett lax, wer das liest? vielleicht will ich nur meinen erzeugern und meinen homies ein schnelles lebenszeichen hinterlassen?

Julia hat gesagt…

@anonym: na dann wird es wohl wie bei jedem anderen Hauptberuf auch sein: es wird ersatz gefunden werden.

@blica: verschleisserscheinungen bemerke ich nicht - bei den blogs, die ich länger gerne lese. aber sonst würde ich sie wohl auch nicht lesen.

Leila+Is+Surrounded hat gesagt…

Klar. Ich will auch nirgendwohin. Deswegen baue ich auch Nachts um 4 an meinem HTML herum und habe den Analytics installiert.

Erschöpft haben mich die zahlreichen Versuche auch andere Themenbereiche anzuschneiden, um im Endeffekt zuzusehen, wie Ideen von größeren Blogs abgegriffen wurden.

Ob Inneneinrichtung oder Musik- am Ende ist es schwer innovativ zu werden und dabei alleine weiterzuschwimmen. Weil ja dankbar geschriehen wird, wenn ein paar Hirnen aus der dumpfen Bloggermasse etwas Neues einfällt.

Vielleicht wird Surrounded demnächst ein Videoblog, in der Hoffnung so endlich alleine zu sein. Ach Shit. Macht der Facehunter ja auch schon.
Ich werde weiter nachdenken.

carmen hat gesagt…

@anne: damit ist meine frage aufs ausführlichste beantwortet ;-)

mia hat gesagt…

was gab es denn vor uns und was wollen wir anders als die alten hasen machen? es gibt (noch) keine alte-hasen-generation bei bloggern. und wenn du das jetzt mit print vergleichen möchtest, reden wir von zwei paar völlig verschiedenen schuhen. das kann man nicht mit "früher" nicht vergleichen, weil es uns als komponente noch nicht gab. ich glaube nicht, dass irgendeinE bloggerIn mit dem bloggen angefangen hat, weil sie etwas "anders" machen möchte...

Lisa hat gesagt…

leila, schön dass du nachts an deinem html rumbastelst und analytics installiert hast. ich habe das seit genau 1,5 jahren nicht mehr getan und gucke auch seit monaten nicht in meine stats. abgefahren, oder?

weiterhin verstehe ich nicht, wo die innovation bei themenbereichen wie "inneneinrichtung" und "musik" liegen soll? abgesehen davon, glaubst du ernsthaft, es gibt irgendwas, was irgendwo auf diesem digitalen erdball noch nicht thematisiert wurde? vielleicht kommt es eher auf das "wie" anstelle von dem "was" an (?).

Mary hat gesagt…

ich denke auch, dass du, leila, da in eine falsche richtung denkst.
und ich denke es ist eh falsch, sich so sehr an anderen zu orientieren - denn dann kommt man sehr schnell in die falle zu glauben, irgendjemand hätte einen kopiert und das dann in der tat auch noch scheisse und unfair zu finden.
es ist sehr viel heilsamer und für mich auch motivierender mich auf meine arbeit zu konzentrieren und mir input von sachen zu holen, die ich gut finde. ich lese keine blogs, die ich eigentlich doof finde um "auf dem laufenden zu bleiben", ich ärgere mich nicht über blogs, die gut besucht werden, obwohl ich ihren inhalt langweilig finde; ich bilde mir nicht ein, jemand würde meine idee klauen, nur weil er etwas ähnliches macht wie ich.

das sind übrigens genau die gräben, die ich in meinem ersten kommentar angesprochen habe.

Lisa hat gesagt…

mary, du sprichst mir aus dem herzen. der grund, warum ich kaum noch andere "modeblogs" verfolge? ich habe ganz einfach keine lust mehr, jungen mädchen bei ihrer identitätssuche zuzuschauen. da bin ich schlichtweg zu alt für.

was in dieser diskussion auch noch ganz gut passt, ist mein lieblingszitat: "Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen." ; )

Leila+Is+Surrounded hat gesagt…

Es geht nicht darum, welcher kleine Genius in Kambodscha auf die geile, abgefahrene Idee XY gekommen ist, sondern es geht um deutsche Blogs, die sich die Ideen wie Spielbälle zuwerfen.

Darüber hinaus gibt es genügend Blogs junger Mädchen, die nicht das Klischee der sich abfotografierenden Blogettenkröte bedienen, sondern nahezu orginielle Eingebungen haben. Was ein Glück, denn ohne den frischen Wind von unten wäre dieser ganze Kosmos wohl ein ganz erbärmlicher Laden.

Gemeint sind auch nicht eine bestimmte Anzahl von Blogs, die ich nicht leiden kann (das habe ich schon entsprechenden mitgeteilt), sondern schlichtweg alle.

Aber warum muss ich das, was ich nicht gut finde verschweigen? Weder arbeite ich mit anderen Bloggern zusammen, noch bin ich mit allen befreundet.

Ich bin mir auch nicht zu alt oder zu fein mich zu streiten.

Und ich würde mir ernsthaft Sorgen machen, sollte dieser Zustand eintreten. Bequemlichkeit ist ein erster Schritt ins Grab.

Anonym hat gesagt…

ich habe bei leila noch nie sowas wie videos gesehen. einen linkcode von youtube zu kopieren nenne ich auch nicht gerade inovativ.
versteh einer, warum sich die dame an dieser stelle so aufspielt. ihr blog interessiert doch eh schon lange niemanden mehr und immer wenn sie irgendwo auftaucht, dann nur um sich mit ihrer motzigen art selber zu in den vordergrund zu rücken während sie polemische phrasen über andere vom stapel lässt. also ich finde die schlimmsten bloggerkröten sind immernoch solche, die ihre blasebacken mit dem lautesten furz aufprusten.

Mary hat gesagt…

Leila, deinen letzten Kommentar verstehe ich nicht mehr. Du findest alle deutschen Modeblogs scheisse? Und ich muss mich in einem dem sehr unhöflichen letzten anonymen Kommentar anschliessen - auch wenn ich von deinem Blog zunächst wirklich sehr viel hielt, wird er im Moment deinem eigenen kritischen Anspruch wohl kaum gerecht und spielt mit den gleichen Bällen, die du hier als redundant bezeichnest.

Im Übrigen ging es mir nicht darum vorzuschlagen, keine Kritik mehr zu üben. Aber ich kritisiere auch nur das, wo ich Potential oder ein wirkliches Ärgernis sehe. Alles andere ist doch verschwendete Zeit.

Leila+Is+Surrounded hat gesagt…

@Mary: Nein, ich finde nicht alle deutschen Blogs scheiße. Wäre das so, hätte ich keine Linkliste und würde auch nicht mehr kommentieren. Vielleicht habe ich das überspitzt.

Ich wollte vielmehr damit sagen, ich möchte nicht einzelne kritisieren, sondern alle. Vielleicht machen wir alle die gleichen Fehler, wer weiß es. Auch geht es mir nicht um Blogs, von denen ich ohnehin nie etwas gehalten habe. Sondern es geht mir gerade um viele meiner von mir gern gelesenen Blogs, die sich mit der Zeit selbst verrieten. Es ist mein persönliches Gefühl zu dieser Frage und meine persönliche Enttäuschung.

Wie auch sonst, ich bin kein Jurnalist, kein Kritiker.
Ich sehe die Bloglandschaft aus keiner neutralen Perspektive. Kann ich auch nicht. Hängt zu viel Herzblut drin.

Mein Blog ist sehr privat. Daraus mache ich kein Hehl und das muss nicht jeder sein. Aber viele Blogs sind irgendwie nicht mehr so authentisch wie früher. Und ich dachte immer das macht Blogs aus, dass sie so authentisch sind.

Es ist schwer den eigenen Blog aus der Perspektive des Autoren zu beurteilen, wahrzunehmen. Aber ich lese andere Blogs auch nicht nur als Bloggerin, sondern stinknormale Leserin. Als Fan. Manchmal.

@anonym:

Schau mal. Jeder hier erkennt deinen originellen Schreibstil. Dass du dich nicht einmal wagst, deinen Namen hier zu nennen disqualifiziert dich nur noch mehr.

Warum regst du dich so bitterbös auf, wenn dir doch die Modeblogs so gleich sind? Warum verfolgst du mein Blog, wenn ich dir die unsympathischste aller Bloggerinnen bin?

Ich werde auf dich nicht mehr eingehen, halte das mittlerweile aber wirklich für grenzwertig gestört.

Mary hat gesagt…

Was meinst du denn mit Verrat? Und ist es nicht so, das Authentizität ein ebenso hohler Begriff ist wie Individualität?
Was soll das überhaupt sein, authentisch!? Müsstest du deine Kritik nicht an ganz anderen Kriterien aufziehen?

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