Sonntag, 9. September 2012

ich war nicht dabei - na und?

imitation_of_christ, ss2013: die brigitte setzt nicht mehr auf schöne "normalo-frauen", tara subkoff experimentiert zur abwechslung mit frauen allen alters (bilder style.com)

wenn man nicht unterwegs und vor ort dabei ist, dann fehlt was - so oder so ähnlich haben gestern in der fashioncamp-diskussion um "erfolgreiches modebloggen" david und jakob von dandy diary, kira vom indie magazine und katja/lesmads recht unisono die wichtigkeit ihrer reisetätigkeiten, die ihre blogs bereichern, beschrieben. als erfolgreich bloggender modemensch wird man nämlich ständig eingeladen und ist on the road - in london, paris oder sonstwo. sprich: wenn ich mir jetzt wie die heerscharen an bloggerInnen von zu hause aus die neuesten sommerkollektionen auf style.com ansehe und darüber schreibe, ist das für mich und die leserInnenschaft natürlich nur der halbe spaß und außerdem völlig irrelevant.  ich kann keine vor authentizität sprühenden "ich war dabei"-bilder posten und im schlimmsten falle fallen all die wichtigen details, die am rande passieren, unter den tisch. bei tara subkoffs imitation of christ-präsentation in der bortolami gallery in chelsea war ich natürlich auch nicht mit dabei. die fand, nachdem die letzte sommerkollektion bereits als fake-hochzeitszeremonie über die bühne ging, nun also im galeriekontext statt. drumherum, das muss ich nun der fashion-review von alison baenen entnehmen, das übliche performative schischi, also ein weiblicher a capella-chor und ein vanessa-beecroft-filmchen. dass das für den fotografen von style.com nicht relevant ist, ist ja klar, denn der soll brav die kollektion abknipsen. und so entgeht mir also wieder einmal die hälfte, in meinem sessel vor dem laptop.   

* muss man bei den internationalen modeschauen vor ort dabei sein, um über mode schreiben zu können? in diesem zusammenhang empfehle ich noch einmal zum weiterlesen colin mcdowells kolumne auf business of fashion, der den modejournalistischen wie den akademischen zugang zur mode leider in einen topf wirft:  I have been both amused and irritated over the years by fashion academics who write unreadable piffle about a world they do not know. Few are invited to the shows and none have gone through the apprenticeship of watching hundreds of shows per season, some of which are unbelievably bad. This is the equivalent of a cricket commentator who goes only to the Oval and knows nothing of local cricket greens.

Kommentare:

Rene Schaller hat gesagt…

Natürlich ist es nett vor Ort sein zu können, zumindest wenn man das drumherum als wichtigen Bestandteil der Mode betrachtet. Doch genauso birgt es doch die Gefahr vom drumherum so geblendet zu sein, dass man die Mode gar nicht mehr wirklich objektiv betrachten kann. Das ist quasi der Effekt auf den unter anderem Chanel setzt, wenn sie die Deko so aufblasen und den Eventcharakter dermassen pushen, dass die Mittelmässigkeit des Kleidung nur auffällt, wenn beides getrennt voneinander betrachtet wird.
Ich glaube auch, dass sich genau darin Leute wie Suzy Menkes oder Robin Givhan abheben. Sie haben die nötige Erfahrung gesammelt und lassen sich nicht so leicht blenden, während Blogger schon mal schnell das Wesentliche aus den Augen verlieren und in der Euphorie vergessen die Mode zu betrachten. Oder noch schlimmer: Aus Angst beim nächsten Mal nicht eingeladen zu sein, lieber keine Kritik üben.

Lilly Panic hat gesagt…

Endlich sagts mal jemand!

Mangoblüte hat gesagt…

Man kann auch vor Ort dabei sein aber trotzdem nichts Gescheites beitragen können! :)

Wohnungsräumung hat gesagt…


vielen Dank ... Ich hoffe, dass weitere Themen

Claudia Grande hat gesagt…

Hallo Anne,

als erstes muß ich loswerden, daß mir Deine Moderation beim Fashion Camp wirklich außergewöhnlich gut gefiel. Ich wäre traumhaft, wenn Du beim nächsten Mal (falls möglich) weitere Sessions moderieren könntest, da die anderen interessanten Theman (Nachhaltigkeit, Konsumsucht) deutlich an der mittelmäßigen bis schlechten Moderation gescheitert sind.

Zum Thema deines Eintrags habe ich mir zu Beginn der Fashion Week in New York auch einige Gedanken gemacht. Einerseits finde ich es lächerlich wenn viele Blogger, die eben nicht dabei waren, solche Ereignisse groß auswalzen. Andererseits haben auch die Anwesenden meist nichts besonderes über die Events zu sagen, außer wen sie gesehen haben und ob ihnen die Mode gefiel. Daher fehlt mir wahrscheinlich generell ein kreativerer Umgang mit Showberichten.

Das Fazit der Erfolgreich Modebloggen-Diskussion fiel allerdings auch recht ernüchternd aus: Du mußt möglichst provokant und vorlaut schreiben, viel reisen, in einer Metropole (am besten natürlich Berlin) wohnen und dich wie ein Möchtegern-Popstar selbst darstellen. In eine ähnliche Richtung gingen leider auch die Aussagen zum Thema Konsumsucht. In dieser Runde wurde Modebloggen offensichtlich auf Einkaufengehen reduziert, was ich sehr schade fand.

Daher: Keep up the good work!

blica hat gesagt…

@claudia grande, das freut mich natürlich sehr, zumal das meine erste moderation war und mir das "unterhaltende element" durchaus am herzen gelegen ist;-)
allerdings ist das mit dem "erfolg" so eine sache: den definiert jedeR für sich eben anders. davon abgesehen, dass die blogformate der diskutantInnen nicht miteinander vergleichbar sind, würde ich aber, denn das ist bei mir eben auch hängengeblieben, nochmal betonen, dass ich den aspekt der selbstermächtigung (der ganz zum schluss gefallen ist) so nicht unter den tisch fallen lassen würde. sowohl jakob als auch kira haben betont, dass sie es genießen, innerhalb ihres blog-/ magazinformates keine autorität über sich sitzen zu haben, die ihnen sagt, was wie zu machen ist.
diese details fand ich dann doch recht interessant, auch wenn klar ist, dass diese unabhängigkeit natürlich, so lange man von anzeigenkunden lebt, relativ ist. aber das ist eben im printmagazinbereich auch nicht anders, nur läuft da auf den ersten blick alles eben weniger nachvollziehbar ab.

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