Freitag, 20. April 2012

balenciaga ist schuld.

balenciaga_prefall 2012/13 (video steven meisel)

wahrscheinlich ist an meiner aktuellen violett-farbspinnerei das haus balenciaga schuld. die haben sich für den herbst, wie im video von steven meisel wunderbar erkennbar, der unmöglichsten farbkombinationen angenommen, die selbst an der modisch in der regel unantastbaren  charlotte gainsbourg gut aussehen. allerdings: die dosierung sollte stimmen -  schlichtheit ist ansonsten nämlich eher meine devise.
 

Donnerstag, 19. April 2012

bekenntnisse einer manipulierbaren konsumentin.

im april 2010, das kann ich anhand meines blogs glücklicherweise rekonstruieren, hatte ich genug von der farbe beige: damals postete garance doré bis zum umfallen beige trenchcoats, woraufhin ich, wie ich es damals nannte, einen regelrechten farbüberdruss erlitt. vom beige habe ich mich mittlerweile erholt, vielleicht sogar angefreundet. nun mache ich dafür  auf andere weise diesen  saisonalen farbquatsch mit: ich besitze mittlerweile zwei orangefarbene oberteile und einen rucksack in der selben farbe (den trage ich trotz aufkeimenden überdrusses noch immer), einen flaschengrünen schlauchrock, obwohl der die hüften  wunderbar unvorteilhaft breit macht und seit heute (ich weiss nicht, was mich da geritten hat) einen violetten (besser klänge: purpurfarbenen) faltenrock. rein verstandesgemäß kann ich mir diese farbkäufe nicht erklären,  aber wahrscheinlich zähle ich ganz einfach zur spezie der im handumdrehen manipulierbaren konsumentin - keine besonders erbauliche erkenntnis, muss ich zugeben.

Mittwoch, 18. April 2012

hello, this is bill cunninham, on the street in new york.



bill_cunningham für new york times, on the street, hier details in sachen männermode (screenshots)

bill cunningham ist eine seltene spezie in der welt der mode. nicht nur, dass er sich mit mitte 80 noch für die new york times aufs fahrrad schwingt und manhattan abradelt, um seine modischen dokumentationen abzuliefern - dieser mann hat sich seine begeisterungsfähigkeit bewahrt. ob der samstägliche blumeneinkauf des durchschnitts-newyorkers oder aber die exzentrischen selbstinszenierungen junger fashionistas, cunningham scheint auch nach jahrzehnten hinter seiner kamera die nase noch immer nicht voll zu haben von den menschen und ihren modemarotten. ganz im gegenteil! da ist jemand,  der noch immer ganz genau hinschaut - und das, wie es scheint, niemals denunzierend. völlig  uneitel weiss der fotograf sehr genau um die feinen unterschiede und handelt dennoch immer getreu dem motto: vor meiner linse sind alle menschen gleich. das ist, so ehrlich müssen wir sein, ein seltener wesenszug - vor allem im business der streetfashionfotografie. wo nämlich scott schuman oder garance doré ihre portraitierten zu ikonen individuellen stils machen, knipst cunningham schnappschussartig seine umgebung ab, um die schönheit auch im seriellen zu finden. da werden dann plötzlich im frühlingswind flatternde schals an frauenhälsen zum modischen begrüßungskommitee der schönsten jahreszeit. der gute bill hat nämlich völlig recht: das bemerkenswerte liegt eben oft im scheinbar nebensächlichen. 
  

Dienstag, 17. April 2012

zum aufspitzen.

kitten_heels, modell julie von acne (bild acne/ bilder via la garconne)

wenn es um die erzeugnisse des schwedischen labels acne geht, schaltet bei hippen menschen der verstand aus: die pistol boots, die wahrscheinlich beliebtesten schuhmodelle des hauses, werden angebetet, bespart und natürlich auch gekauft. nun führt acne aber auch, um seinem ruf des modischen trendbarometers gerecht zu werden, schuhe ohne klotziges plateau oder gar keilabsatz. modell julie zum beispiel wartet stattdessen mit klitzekleinen kitten heels und einer laaaanggezogenen spitze auf -  die die lässige fashionista allerbestens zur selbstverteidigung einsetzen kann. die frage, die sich mir nun stellt: schon wieder bereit für das kittige spitzencomeback? oder doch lieber auf plateaus unterwegs?    

Montag, 16. April 2012

kommt ein schößchen geflogen.

strassenumfrage des new york magazine: was ist eigentlich ein peplum? (screenshots)

ist das nicht super? eine reporterin des new york magazine und ihre zwei begleiterinnen werfen sich in drei schößchenkleidern und -oberteilen ins lokale straßengetümmel und eruieren, ob die zeit reif ist für das eigentlich völlig überflüssige stück stoff, das da aus der  taille herauswächst und zum trendthema des frühjahrs auserkoren wurde. erste frage also: do you know what a peplum is? die straßenbefragung in new york führt schnell zutage: die befragten haben keine ahnung. zweite frage: sieht das gut aus? nun, da will sich auch niemand so wirklich festlegen. dabei sagen doch die designer und die magazine, dass wir das jetzt alle tragen sollen. umspielt, wie eine new yorker passantin clevererweise feststellt, die sogenannten problemzonen der frau und - ach was, ich lasse das jetzt einfach.  ich übergebe an eine andere frau vom fach: jess cartner-morley vom guardian erklärt hier nämlich alles noch einmal von p bis m. nämlich was ein peplum ist, wie frau es trägt und natürlich, wo es die dinger zu kaufen gibt. mir bleibt da eigentlich nur noch die frage: überzeugt vom schößchen?
      

Sonntag, 15. April 2012

die fantastische hemdensammlung des herrn blanks.

fantastic_man,_15. ausgabe, ss2012, tim blanks, fotografiert von roger deckker/ the tank, fotografiert von karim sadli.

tim blanks öffnet für fantastic man seinen kleiderschrank und präsentiert eine kleine auswahl seiner 80 hemden. darunter das aktuelle surferjungs- und comicpalmen-print von prada oder eben das legendäre äffchenhemd da oben, das eigens für ihn aus der damenkollektionsfarbversion hergestellt wurde - auch eine art von luxus.

Samstag, 14. April 2012

vom colorado river in die fußgängerzone.

nike_performance air deschutz, trekkingsandale (bild zalando)

und wer ist nun schuld am erfolg der trekkingsandale in den letzten jahrzehnten? der us-amerikaner mark thatcher hat sich zumindest die hübschesten legenden um seine 1982 entwickelte sandale für den raftingsport erdacht.  mit den "afrika-inspirierten" phantasien aus dem hause louis vuitton haben diese in erster linie praktischen vorgängermodelle natürlich rein gar nichts zu tun, vielmehr führen  jene den ursprungsgedanken einer im wasser beständigen funktionssandale ad absurdum: ein tauchgang im colorado river und es wäre vorbei mit dem vuittonschen velours-kalbsleder - das wäre doch zu schade, oder?
 

Freitag, 13. April 2012

fußgängerzonensafari.


trekkingsandale mit goldiger schnalle von louis vuitton, ss2012 (screenshot, website)

ich sträube mich ja ganz gerne gegen fashionable einkaufstipps auf diesem blog - das können andere ganz sicher viel, viel besser. da widme ich mich doch lieber mit inbrunst gewissen details, die wohl nicht nur mir kalte schauer den rücken runterjagen. mein momentanes fetisch-objekt: die trekkingsandale - ja, die für die herren. in florenz bereits an starren männlichen schaufensterpuppenfüßen bewundert, nun also auch auf der louis vuitton-website entdeckt. dort wird das ding als Safari Sandale aus Velours-Kalbsleder beschrieben und soll, so die produktbeschreibung, zu - ich scheine es geahnt zu haben - den Glanzstücken der Louis Vuitton Men Frühjahr/ Sommer 2012 Fashion Show zählen und die afrikanische Inspiration der Kollektion wiederspiegeln. das habe ich bisher doch glatt übersehen - wer allerdings wissen will, was man im hause louis vuitton unter afrikanischer inspiration versteht, kann hier die neokoloniale safaritour mitmachen. da ist dann alles mit dabei: vom eleganten tiger, der im zeltambiente über den perserteppich schleicht bis zur, nunja, trekkingsandale eben.
 

kostümmarathon die zweite.

galleria_del costume, palazzo pitti, florenz, april 2012.

wo in der musealen gucci-zentrale geklotzt werden kann, sieht sich die kostümgalerie im palazzo pitti wohl eher zur kleckerigen sparpräsentation der hauseigenen kostümsammlung gezwungen: zwar schieben sich hier unmengen an touristen an den altmodisch und behäbig präsentierten roben und kostümen vorbei (was sicher weniger mit einem gesteigerten interesse an der mode als mit dem kauf des tickets, das neben den boboli-gärten eben auch die seit 1983 bestehende kostümsammlung betrifft, zu tun hat), aber für die mode begeistern wird sich nach sichten einer solch lieblose inszenierung wahrscheinlich niemand. die puppen mal mit kopf, mal ohne, mal mit armen, mal ohne - ein mangelndes budget mag das fehlende visuelle wie inhaltliche konzept dieser präsentation nicht entschuldigen. da schlendere selbst ich an den plissees der fortuny-roben, den historischen gewändern von cosimo de’ medici und ehefrau eleonora di toledo schwungvoll vorbei und bin draußen, auf einer der terrassen des boboli-gartens, mit den gedanken glücklicherweise schnell woanders.  
       

gucci lässt die puppen tanzen.

gucci_museum in florenz, making of (filmstills)

in florenz, wo kulturbeflissene touristen an der piazza della signoria  vor der nackten  david-kopie des michelangelo andachtsvoll den kopf in den nacken legen, ist nun in direkter nachbarschaft zum palazzo vecchio und den uffizien vor einigen monaten das museo gucci in den palazzo della  mercanzia eingezogen - ein repräsentativer ausstellungsort mitten in des touristen liebsten areal. dort am osterwochenende großer trubel, die cafés am platze brechend voll. bei gucci hingegen: gepflegte ruhe - immerhin die beste voraussetzung, um sich mit der selbstinszenierung des unternehmens auseinanderzusetzen. schnell wird klar: das florentiner lederwarenunternehmen bespielt die ausstellungsräume ähnlich elegant und professionell wie die verkaufsräume eines seiner luxusstores: hinter glas liegen historische wie aktuelle köfferchen und handtaschen, armreifen mit tigerköpfen, sind seidige blumencarées  aufgespannt und glitzernde red carpet-roben von léa seydoux oder salma hayek auf dezenten puppen drapiert. die 90jährige geschichte des hauses wird beispielsweise anhand des in den 1960er jahren designten blumenmotivs flora illustriert, als appetitliches sahnehäubchen dazwischengeschaltet: ein quasi zeitgenössischer andachtsraum,  den francesca amfitheatrof mit drei arbeiten des britischen künstlers paul fryer (zum großteil aus der sammlung pinault) bestückt hat. ähnlich der inszenierung der exklusiven roben weiblicher schauspielstars mittels lichtspots im dunklen raum wird hier kunst gleich einem exklusiven schmuckstück präsentiert. ob fryer sich seine christusskulptur auf dem elektrostuhl wohl in einem solchen kontext vorgestellt hat?  
   

Montag, 9. April 2012

schöne ostern, die zweite.

louis_vuitton-schaufenster in florenz, april 2012

die nachricht des tages, raf simons nun also für dior - und ich knipse die sommerliche herrentrekkingsandaleninterpretation des hauses louis vuitton im schaufenster am piazza degli strozzi in florenz. das nennt man wohl osterwochenendthemenloch: zurück in wien geht es dann zum beispiel um das an der piazza signoria prominent platzierte gucci-museum - das schaue ich mir morgen nämlich genauer an.

Sonntag, 8. April 2012

schöne ostern!



dolce_&_gabanna, schaufensterdekoration anläßlich der sommerkollektion 2012, genua im april 2012

dank der gemüsigen schaufenstergestaltung der dolce & gabanna-dependance in genua und des diesmal blumig befüllten zeit-magazins (das es in italien glücklicherweise an fast jedem kiosk gibt) bin nun auch ich in frühlingsstimmung versetzt und wünsche aus dem wolkenverhangenen süden ein schönes osterwochenende!
 

Dienstag, 3. April 2012

fräulein vikas gespür für den richtigen dreh.

vika_gazinskaya im frühjahr 2012 (bild tamu mcpherson, all the pretty birds/ bild via)

eben erst  portraitierte die britische vogue in ihrer aprilausgabe the russian fash-pack, bestehend aus elena perminova, ulyana sergeenko, miroslava duma und nicht zuletzt vika gazinskaya. denn eines können die damen, die während der modewoche in paris zusammen im ritz absteigen und untereinander klamotten tauschen, perfekt: sich selbst in szene setzen. meine bekanntermaßen persönliche favoritin unter den reichen russinnen: vika gazinskaya. aktuell führte die in paris ihre eigene sommerkollektion spazieren und kombinierte wild mit nike-kappe und - das verzeihe ich ihr jetzt einfach mal - led zeppelin-shirt. das alles ist meiner ansicht nach immer wieder einen blick  und klick wert und ja, die  endlosweithose in grau, die ist natürlich auch nicht zu verachten - die würde ich doch glatt genauso tragen.
  

Montag, 2. April 2012

In unserem dorf gab es nichts außer einem plattenladen.

In unserem Dorf gab es nichts außer einem Plattenladen. Ich spürte damals bereits, dass ich nicht denselben Weg einschlagen werde, den alle anderen gehen. Aber ich wusste nicht, in welche Richtung dieser führen würde. Ich wusste nicht einmal, dass man Mode studieren kann. Oder Kunst. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Alles, was ich kannte, war dieser Plattenladen - und das war mein Anschluß an Kreativität. Musik, Cover, Fotos, all das. Und dieser Plattenladen organisierte Fahrten zu Konzerten. Als ich 15 war, erlaubten mir meine Eltern endlich, mitzufahren. Die ganzen Kids aus den Dörfern wurden in Busse verfrachtet und zu Konzerten geschickt. Damals war New Wave groß, Anne Clark und solche Sachen.
raf simons bekenntnisse zur popkultur kennt man bereits, im aktuellen deutschen interview magazine spricht er nun mit mike d von den beastie boys über seine musikalische sozialisation.  letzterer stellt im gespräch fest: Am Ende des 20. Jahrhunderts ging der Blick nur nach vorne. Aber in den vergangenen Jahren hat sich der Blick immer mehr nach hinten gerichtet: Heute ist alles Retromania, romantisch bedeutet jetzt die Vergangenheit zu recyceln, die Vergangenheit zu recyceln, die Vergangenheit zu recyceln... der verklärte blick des raf simons auf seine all time favourites kraftwerk und new order und der ständige verweis auf seine jugendliche affinität zur musik  zeigen aber schön auf, dass er es mit seiner absage an die rückwärtsgewandtheit zumindest hinsichtlich seiner eigene popkulturellen orientierung nicht so furchtbar ernst meinen kann: Die meisten Menschen halten es ja für romantisch, über die Vergangenheit nachzudenken. Ich kann nichts dergleichen daran finden. dafür wiederholt er die stories aus seiner teenagerzeit in belgien aber mit erstaunlichem nachdruck.

auch raf simons festival the avant/garde diaries kam nicht ohne new order und joy division aus.
 

Sonntag, 1. April 2012

assoziationsketten.

louis_vuitton betttruhe mit damier canvas, 1891, les arts décoratifs (bild © jean tholance schenkung von gaston-louis vuitton, 1989)/ filmstill wes anderson, moonrise kingdom (bild)

für details solcher art habe ich eine besondere schwäche: géraldine dormoy von der französischen wochenzeitung l`express hat beim sichten des trailers von wes andersons neuem streifen moonrise kingdom, der demnächst die 65. filmfestspiele in cannes eröffnen wird, einige modische entdeckungen gemacht. die story, die sich wes anderson und roman coppola erdacht haben, versetzt in den sommer 1965 in ein pfadfinderlager in new england. die zeltunterkunft inklusive feldbett erinnere doch sehr  an louis vuittons historische liege aus den 1890ern, die  aktuell in der pariser ausstellung louis vuitton marc jacobs zu sehen ist, so géraldine dormoy auf ihrem blog café mode. gar nicht so schlecht, diese assoziationskette,  die sich locker und unverbindlich weiterspinnen lässt: von wes anderson über roman coppola zu dessen schwester sofia, die bekanntermaßen bereits einige louis vuitton-kooperationen eingegangen ist. die dinge hängen nämlich manchmal doch enger zusammen als man denkt.

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