Freitag, 13. April 2012

kostümmarathon die zweite.

galleria_del costume, palazzo pitti, florenz, april 2012.

wo in der musealen gucci-zentrale geklotzt werden kann, sieht sich die kostümgalerie im palazzo pitti wohl eher zur kleckerigen sparpräsentation der hauseigenen kostümsammlung gezwungen: zwar schieben sich hier unmengen an touristen an den altmodisch und behäbig präsentierten roben und kostümen vorbei (was sicher weniger mit einem gesteigerten interesse an der mode als mit dem kauf des tickets, das neben den boboli-gärten eben auch die seit 1983 bestehende kostümsammlung betrifft, zu tun hat), aber für die mode begeistern wird sich nach sichten einer solch lieblose inszenierung wahrscheinlich niemand. die puppen mal mit kopf, mal ohne, mal mit armen, mal ohne - ein mangelndes budget mag das fehlende visuelle wie inhaltliche konzept dieser präsentation nicht entschuldigen. da schlendere selbst ich an den plissees der fortuny-roben, den historischen gewändern von cosimo de’ medici und ehefrau eleonora di toledo schwungvoll vorbei und bin draußen, auf einer der terrassen des boboli-gartens, mit den gedanken glücklicherweise schnell woanders.  
       

gucci lässt die puppen tanzen.

gucci_museum in florenz, making of (filmstills)

in florenz, wo kulturbeflissene touristen an der piazza della signoria  vor der nackten  david-kopie des michelangelo andachtsvoll den kopf in den nacken legen, ist nun in direkter nachbarschaft zum palazzo vecchio und den uffizien vor einigen monaten das museo gucci in den palazzo della  mercanzia eingezogen - ein repräsentativer ausstellungsort mitten in des touristen liebsten areal. dort am osterwochenende großer trubel, die cafés am platze brechend voll. bei gucci hingegen: gepflegte ruhe - immerhin die beste voraussetzung, um sich mit der selbstinszenierung des unternehmens auseinanderzusetzen. schnell wird klar: das florentiner lederwarenunternehmen bespielt die ausstellungsräume ähnlich elegant und professionell wie die verkaufsräume eines seiner luxusstores: hinter glas liegen historische wie aktuelle köfferchen und handtaschen, armreifen mit tigerköpfen, sind seidige blumencarées  aufgespannt und glitzernde red carpet-roben von léa seydoux oder salma hayek auf dezenten puppen drapiert. die 90jährige geschichte des hauses wird beispielsweise anhand des in den 1960er jahren designten blumenmotivs flora illustriert, als appetitliches sahnehäubchen dazwischengeschaltet: ein quasi zeitgenössischer andachtsraum,  den francesca amfitheatrof mit drei arbeiten des britischen künstlers paul fryer (zum großteil aus der sammlung pinault) bestückt hat. ähnlich der inszenierung der exklusiven roben weiblicher schauspielstars mittels lichtspots im dunklen raum wird hier kunst gleich einem exklusiven schmuckstück präsentiert. ob fryer sich seine christusskulptur auf dem elektrostuhl wohl in einem solchen kontext vorgestellt hat?  
   

Montag, 9. April 2012

schöne ostern, die zweite.

louis_vuitton-schaufenster in florenz, april 2012

die nachricht des tages, raf simons nun also für dior - und ich knipse die sommerliche herrentrekkingsandaleninterpretation des hauses louis vuitton im schaufenster am piazza degli strozzi in florenz. das nennt man wohl osterwochenendthemenloch: zurück in wien geht es dann zum beispiel um das an der piazza signoria prominent platzierte gucci-museum - das schaue ich mir morgen nämlich genauer an.

Sonntag, 8. April 2012

schöne ostern!



dolce_&_gabanna, schaufensterdekoration anläßlich der sommerkollektion 2012, genua im april 2012

dank der gemüsigen schaufenstergestaltung der dolce & gabanna-dependance in genua und des diesmal blumig befüllten zeit-magazins (das es in italien glücklicherweise an fast jedem kiosk gibt) bin nun auch ich in frühlingsstimmung versetzt und wünsche aus dem wolkenverhangenen süden ein schönes osterwochenende!
 

Dienstag, 3. April 2012

fräulein vikas gespür für den richtigen dreh.

vika_gazinskaya im frühjahr 2012 (bild tamu mcpherson, all the pretty birds/ bild via)

eben erst  portraitierte die britische vogue in ihrer aprilausgabe the russian fash-pack, bestehend aus elena perminova, ulyana sergeenko, miroslava duma und nicht zuletzt vika gazinskaya. denn eines können die damen, die während der modewoche in paris zusammen im ritz absteigen und untereinander klamotten tauschen, perfekt: sich selbst in szene setzen. meine bekanntermaßen persönliche favoritin unter den reichen russinnen: vika gazinskaya. aktuell führte die in paris ihre eigene sommerkollektion spazieren und kombinierte wild mit nike-kappe und - das verzeihe ich ihr jetzt einfach mal - led zeppelin-shirt. das alles ist meiner ansicht nach immer wieder einen blick  und klick wert und ja, die  endlosweithose in grau, die ist natürlich auch nicht zu verachten - die würde ich doch glatt genauso tragen.
  

Montag, 2. April 2012

In unserem dorf gab es nichts außer einem plattenladen.

In unserem Dorf gab es nichts außer einem Plattenladen. Ich spürte damals bereits, dass ich nicht denselben Weg einschlagen werde, den alle anderen gehen. Aber ich wusste nicht, in welche Richtung dieser führen würde. Ich wusste nicht einmal, dass man Mode studieren kann. Oder Kunst. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Alles, was ich kannte, war dieser Plattenladen - und das war mein Anschluß an Kreativität. Musik, Cover, Fotos, all das. Und dieser Plattenladen organisierte Fahrten zu Konzerten. Als ich 15 war, erlaubten mir meine Eltern endlich, mitzufahren. Die ganzen Kids aus den Dörfern wurden in Busse verfrachtet und zu Konzerten geschickt. Damals war New Wave groß, Anne Clark und solche Sachen.
raf simons bekenntnisse zur popkultur kennt man bereits, im aktuellen deutschen interview magazine spricht er nun mit mike d von den beastie boys über seine musikalische sozialisation.  letzterer stellt im gespräch fest: Am Ende des 20. Jahrhunderts ging der Blick nur nach vorne. Aber in den vergangenen Jahren hat sich der Blick immer mehr nach hinten gerichtet: Heute ist alles Retromania, romantisch bedeutet jetzt die Vergangenheit zu recyceln, die Vergangenheit zu recyceln, die Vergangenheit zu recyceln... der verklärte blick des raf simons auf seine all time favourites kraftwerk und new order und der ständige verweis auf seine jugendliche affinität zur musik  zeigen aber schön auf, dass er es mit seiner absage an die rückwärtsgewandtheit zumindest hinsichtlich seiner eigene popkulturellen orientierung nicht so furchtbar ernst meinen kann: Die meisten Menschen halten es ja für romantisch, über die Vergangenheit nachzudenken. Ich kann nichts dergleichen daran finden. dafür wiederholt er die stories aus seiner teenagerzeit in belgien aber mit erstaunlichem nachdruck.

auch raf simons festival the avant/garde diaries kam nicht ohne new order und joy division aus.
 

Sonntag, 1. April 2012

assoziationsketten.

louis_vuitton betttruhe mit damier canvas, 1891, les arts décoratifs (bild © jean tholance schenkung von gaston-louis vuitton, 1989)/ filmstill wes anderson, moonrise kingdom (bild)

für details solcher art habe ich eine besondere schwäche: géraldine dormoy von der französischen wochenzeitung l`express hat beim sichten des trailers von wes andersons neuem streifen moonrise kingdom, der demnächst die 65. filmfestspiele in cannes eröffnen wird, einige modische entdeckungen gemacht. die story, die sich wes anderson und roman coppola erdacht haben, versetzt in den sommer 1965 in ein pfadfinderlager in new england. die zeltunterkunft inklusive feldbett erinnere doch sehr  an louis vuittons historische liege aus den 1890ern, die  aktuell in der pariser ausstellung louis vuitton marc jacobs zu sehen ist, so géraldine dormoy auf ihrem blog café mode. gar nicht so schlecht, diese assoziationskette,  die sich locker und unverbindlich weiterspinnen lässt: von wes anderson über roman coppola zu dessen schwester sofia, die bekanntermaßen bereits einige louis vuitton-kooperationen eingegangen ist. die dinge hängen nämlich manchmal doch enger zusammen als man denkt.

Samstag, 31. März 2012

der blick in den spiegel.

kandidatin_lilia, sichtlich glücklich, nach ihrem umstyling bei stylistin astrid rudolph in der sendung schick & schön (screenshot filmstill)

vorher jeans zu bollerigem kapuzenpulli, nachher bleistiftrock zu schickem blazer. modische verwandlungen sind seit jeher beliebte rubrik in frauenzeitschriften. seit einiger zeit nun hat auch das tv erkannt, dass sich die sehnsucht nach visueller optimierung noch viel besser im bewegtbild inszenieren lässt. der vorteil: die zuschauerInnenschaft  teilt die intime häutung der vermeintlich grauen mäuse und unglücklichen dauersingles quasi hautnah. das hierbei entscheidende moment: der erste blick in den spiegel nach der verwandlung zum attraktiven alter ego. ob die jungen model-anwärterinnen in den topmodel-staffeln, die ihre neuen frisuren erst nach fertigstellung des neuen haarschnitts sehen dürfen, die teilnehmerinnen der rtlII-sendung extrem schön, die, bevor sie ihren familien komplett erneuert entgegen treten dürfen, sich erstmals in einem ganzkörperspiegel bewundern  oder aber die normalverbraucherin, die von den lieben verwandten in die umstylingsendung schick & schön geschickt wird und mit einer propperen frisur und dezentem make-up konfrontiert wird. ohne zweifel: die massenkompatible wie märchenhafte aufbereitung dieser hoffnung auf ein schöneres selbst fasziniert und sorgt für gute quoten - fragt sich nur, auf wessen kosten.
    

die frühjahrskataloge sind da!

aus_dem_sommerkatalog von h&m, 2012.

ganz so harmlos, wie h&m-kataloge und magazine tun, sind sie nicht, so meine theorie. mariano vivanco machte das zuletzt im frühjahrsmagazin klar - und ich habe mal die aktuelle postwurfsendung des schwedens (so etwas gibt es scheinbar immer noch) nach männlichen inszenierungsformen durchblättert. auf seite 147 entsteigt dort  der obligatorische gebräunte oberkörper einer strandszenerie, die auch tapete sein könnte. einige seiten zuvor zeigt ein alain delon-double in 5-Pocket-Jeans aus stretchigem gewaschenem Denim gar behaarte unterarme - da kann joan smalls in ihrer orangefarbenen paisleybluse glatt mal einpacken.

Donnerstag, 29. März 2012

wieder einmal: leseleiste.

was hat stefano pilati für zukunftspläne? wird da demnächst womöglich an einem eigenen label gesschraubt? der designer redete in paris erstmals nach seinem ausstieg bei yves saint laurent über ... zum beispiel seinen nicht beneidenswerten auftritt an der seite von anna wintour in the september issue.

das wiener 12festival wartet bereits zwei monate vor dem offiziellen startschuss mit einem blogformat auf - und ich als altgediente bloggerin werde mir die online-berichterstattung der drei "rasenden reporterinnen" in nächster zeit desöfteren anschauen.

schöne menschen sind im modebusiness immer gut aufgehoben. einschlägiges karrieremuster: vom model zum stylist, zum designer, zum fotografen (gerne auch in der weiblichen variante). belege gefällig?  bitte hier weiterlesen und -schauen.

das öffentlich rechtliche scheint die attraktivität von umstylingformaten entdeckt zu haben, ich sage nur:  astrids stylingshow im zdf - für alle, deren kernkompetenz nicht im umstylen liegt.

leandra medine trägt sie und auch elin kling hat schon lang keine berührungsängste mehr mit spitzen spitzen, wenn es um das schuhwerk geht. ich hingegen...traue mich nicht so recht...

Montag, 26. März 2012

zielgruppe teenager, die zweite.


produkthinweise in seventeenwe go shopping, 1944 (bild)/ anzeige_saks fifth avenue, the young circle, 1944 (bild)

kurz die luft anhalten und sich dann an die eigene konsumentInnennase fassen: was da nämlich in den usa 1944 mit der seventeen als teenie-magazin-testballon losgelassen wurde, braucht hinsichtlich der verbindung redaktionellen inhalts mit produkthinweisen den vergleich mit zeitgenössischen formaten nicht zu scheuen. kostprobe gefällig? Mother, do you notice anything different abou me? No...my HAT! Well, I know I didn`t last year, but ALL the girls are wearing them now! Lord & Taylor has these HEAVENLY knit caps for only $ 3,95! hiess es 1944 auf einer illustrierten magazinseite. ins heute übersetzt: liebe leserInnen, ich brauche UNBEDINGT so eine baseballkappe wie sie im moment alle tragen, zum beispiel bloggerin stephanie von anywho...die sieht einfach fabelhaft damit aus. woher sie ihre hat, weiss ich zwar nicht, aber selbst h&m bietet gerade welche an - für nur € 7,95!

zielgruppe teenager.

seventeen,_ausgaben vom november 1944 (bild) und märz 2012 (bild)

teenager wurden in den usa bereits in den 1940ern als konsumfreudige zielgruppe entdeckt -  das 1944 gegründete und noch immer existente magazin seventeen mag der beste beweis dafür sein. das format richtete sich an eine wohlhabende junge generation, an die Highschool-Girls von Amerika. und erstaunlicherweise scheinen sich die großen themen - ähnlich dem schriftzug des titels auf dem cover  seither nicht  gravierend verändert zu haben: damals wie heute ging und geht es um fashion &beauty, movies &music, ideas & people - wenn auch die  inhalte heute plakativer als damals rausgebrüllt werden.
 

Samstag, 24. März 2012

ihr kleiderschrank wird anwachsen müssen oder: die probleme einer first lady.

die glamouröse bettina wulff hat als fester bestandteil der bunten ausgedient, nun muss sich das blatt deren nachfolgerin daniela schadt nähern. chefredakteurin riekel höchst selbst  sieht bereits einen Hauch von Hillary Clinton nahen, im aktuellen heft macht redakteur otzelberger klar, was frau schadt allerschnellst zu erledigen hat - nämlich die aufstockung ihres kleiderschrankes: Sie wird in die 150 Quadratmeter große Dienstvilla in Berlin-Dahlem ziehen, Jeans und Pulli, ihre Lieblingskleidung, gegen eine neue schicke Garderobe tauschen. Daniela Schadt ist eine aparte Frau, die sich ihren Mädchen-Charme erhalten hat, aber ihr Kleiderschrank wird anwachsen müssen, um auf rund 50 jährlichen Staatsterminen Deutschland repräsentieren zu können. Bei der Wahl trug sie ein graues Kostüm. Aber eine graue Maus ist sie ganz sicher nicht - da bleibt mir nur noch zu sagen: liebe bunte-redaktion, dankeschön für diese einschätzung.
 

mario sieht cindy.

mario_sorrenti, cindy sherman, für harpers bazaar, 2012 (bilder)

cindy sherman ist gerade überall: ob im moma in new york oder aber in wien, alles dreht sich um die frau mit den 1000 gesichtern. und wie sollte es anders sein: anlässlich des pr-rummels entkommt auch eine künstlerin diesen kalibers nicht dem wunsch der magazine nach dem echten und authentischen portrait. oder vielleicht sollte man es anders formulieren: gerade eine cindy sherman, bekannt für maskeraden aller art, sorgt mit ihrem vermeintlich natürlichen abbild, dem gesicht hinter den masken, für wirbel. kein wunder also, dass die portraits der cindy sherman - von robert mapplethorpe bis chuck close - mittlerweile ein eigenes genre darstellen. diesmal durfte nun mario sorrenti ran - wie viel sorrenti bzw. sherman allerdings genau hinter dieser inszenierung für harpers bazaar steckt, wird wohl erst einmal das geheimnis der beiden bleiben. 
 
cindy shermans spannendes frühwerk ist in wien in der ausstellung that's me – that's not me. frühe werke 1975-1977 noch bis zum 16. mai zu sehen und: einen katalog gibts natürlich auch.

Mittwoch, 21. März 2012

es wird gefeilscht wie auf dem jahrmarkt - modeblogalltag in schweden.

eigentlich ist ja jessie weiss von - damals noch - lesmads schuld. sie ludt im november 2010 jonas scheler,  der am centre for fashion studies der universität stockholm studiert, zu einem gastbeitrag zum thema modebloggen 2.0 ein. ich habe jonas, der die schwedische modeblogspäre sehr gut kennt,  nun einige fragen zum modebloggen in schweden gestellt. die hat der gebürtige bonner schön ausführlich beantwortet - denn wo, wenn nicht auf einem nichtkommerziellen blog wie diesem, ist platz en masse für das vermeintlich abseitige? 

der anzahl schwedischer fashion blogs zufolge muss schweden ein modeverrücktes land sein. warum fühlen sich dort so viele junge menschen zum bloggen über mode berufen?

Das ist eine gute Frage und eine überprüfbare Antwort dazu kann ich nicht geben. Wahrscheinlich folgt die Spezialisierung des Bloggens über Mode den gleichen Mechanismen wie andere Trends im Internet. Viele BloggerInnen haben anfangs vornehmlich über Alltagsgeschehnisse berichtet und erst später – möglicherweise infolge eines medialen oder gesellschaftlichen Verlangens nach Kategorisierung – den Oberterminus "Modeblogger" erhalten. Der Autor und Web-Berater Jonas Söderström – der momentan an einem Buch über die Geschichte des Bloggens in Schweden schreibt – stellte kürzlich erst fest, dass oftmals Unzufriedenheit die Ursache für die Entstehung der ersten Blogs in Schweden war: LeserInnen fanden nicht die Inhalte, nach denen sie suchten oder jene Inhalte waren oftmals nicht in der Art und Weise aufbereitet, die man sich wünschte. 

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